Filmvorführung und Gesprächssalon zu dem Film “Blue Eyed”

Anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus hat am 21.03.2019 eine Gemeinschaftsveranstaltung stattgefunden, welche von Inssan e.V. und deren Projekte initiiert wurde.
Es handelte sich um eine Filmvorführung mit anschließendem Gesprächssalon und fand in einem gemütlichen Ambiente in be’kech, Exerzierstrasse 14, 13357 Berlin statt, und brachte Mentor_innen, Geflüchtete und Interessierte verschiedener Herkünfte zusammen um sich mit dem Thema Rassismus und Diskriminierung zu beschäftigen. Insgesamt war die Teilnehmerzahl entsprechend hoch und beim Blick von außen schien es, dass die Lokalität voll ausgebucht war.
Nach einer Vorstellung über die verschiedenen Aktivitäten, welche von der Projektleiterin Natalia Amina Loinaz (Inssane.v., Wegweiser), sowie der Projektleiterin des Netzwerk gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit, Zeynep Cetin (Inssan e.V.) vorgetragen wurden, wurde die Agenda des Abends vorgestellt:
Nach der Filmvorführung wurden Mitwirkende des Vereines (Mohamad Hajjaj GF Inssan e.V. und Isabell Winter Projektkoordinatorin Netzwerk gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit) zu einem Gespräch mit der Projektleiterin von Wegweiser eingeladen. Eine Q&A mit den Zuschauern und schließlich ein Konzert einer lokalen Band bei orientalischen Süßigkeiten und Getränken, schloss diesen bunten Abend ab. Die Zuschauer sollten sich außerdem Gedanken darüber machen, welche angesprochenen Punkte sie selbst stark angeregt haben und diese in dem danach stattfindenden Gesprächsaustausch erläutern.
Der vorgeführte Dokumentarfilm war der amerikanische Film ‚Blauäugig‘ (Blue Eyed). Er berichtet über die Workshops der US-amerikanischen Lehrerin und Anti-Rassismus-Aktivistin Jane Elliott. Weiter heißt es: In diesen Workshops sollen den Teilnehmer*innen anschaulich und unmittelbar die Lebenserfahrungen von diskriminierten Minderheiten wie Schwarzen Menschen, People ofColour, Menschen mit Behinderung, LSBTI*, Migrant*innen und anderen benachteiligten Gruppen vermittelt werden.
Ich selbst war mit diesem Film nicht vertraut aber fand das Thema sehr ergreifend und berührend, alleine schon durch den Aufbau des Filmes welcher mit der weltberühmten Rede von Martin Luther King beginnt und dann danach den Zuschauer direkt in die Thematik dieser radikal durchgeführten Workshops von Jane Elliot führt. 
Zunächst nimmt mansie als sehr bittere Frau wahr in der Art und Weise wie sie mit den Probanden umgeht. Allerdings erfährt man im Zuge des Films und wird sich ihres Schicksals bewusst. Als Grundschullehrerin stand sie 1968, nach der Ermordung von Martin Luther King, vor dem Problem, wie sie dieses Ereignis ihren rein weißen Schüler in einer weißen, christlichen Dorfgemeinde in den USA erklären sollte. Ihre Schüler hatten niemals Kontakt zu Menschen anderer Hautfarbe und waren nie mit dem Elend konfrontiert, das durch Rassismus bedingt wird.In ihrem Kampf gegen den Rassismus musste sie außerdem zusehen, wie Ihre Familie und vor allem ihre Eltern Opfer dessen wurden. Als Lehrerin und Pädagogin weist sie hierbei auf bekannte Techniken, welche schon das Nazi Regime benutzte, um “Rassen”trennung zu indoktrinieren. Sie selbst entwickelte hierbei ein Modell, welches die Probanden in zwei Gruppen einteilt, eine Gruppe der Privilegierten und eine diskriminierte Gruppe, denen sie dann die entsprechenden Attribute und Rechte zuschreibt bzw. abspricht. Im Laufe des Films werden die Folgen von Stigmatisierungen bewusst gemacht, um nach Jane Elliott, Menschen für diese Strukturen in der Gesellschaft zu sensibilisieren. Sie will dies in ihren Workshops dem Individuum quasi hautnah vermitteln, aber auch durch ihr Engagement einer breiteren Öffentlichkeit verdeutlichen, dass es nicht ausreicht, nichts zu tun, um Rassismus und Vorurteile zu bekämpfen.
Der Film enthält Zitate aus dem ersten Dokumentarfilm von Jane Elliott, Eye of the Storm aus dem Jahr 1970 und zeigt beeindruckend wie sie diese Experimente auch mit Schulkindern durchführte, mit denen sie sich nach 25 Jahren wieder traf und mit Ihnen über diese wegweisende Erfahrung sprach.

Der Film selbst wurde sowohl gelobt und die Workshops wurden in zahlreichen Seminaren mit Studenten, Berufstätigen, Feuerwehrleuten, Bankangestellten sowie in Schulen in den USA und auch in anderen Ländern durchgeführt. In Deutschland hat sich ein Verein gegründet, diversityworks welcher das Trainingskonzept fördert und inzwischen kommerziell vertreibt.
Natürlich kam für mich die Frage auf, inwiefern solche Experimente mit Kindern erlaubt seien, da hierbei durchaus traumatische Erfahrungen erlebt werden. Diese Frage wurde auch im darauffolgenden Dialog mit den Projektleitern von Inssan e.V. angesprochen, und ob dies ethisch vertretbar sei. Auch wenn dieses Thema stark in der amerikanischen Geschichte verankert ist,wurde eine Brücke gebaut da dies hierzulande mehr an Bedeutung gewinnt. Im Verlauf der Q&A erfuhr ich von Fällen, die in der Berliner Öffentlichkeit stattfinden und auch andere Teilnehmer brachten ihre persönlichen Erfahrungen zu Wort. Dieser Gesprächsstoff sprengte auch schnell den zeitlichen Rahmen der Veranstaltung und mich hätte hierbei brennend interessiert, welche Zukunftsperspektiven und Lösungsmöglichkeiten sich anbieten würden. Ich hätte gerne auch über meine eigenen Erfahrungen berichten wollen und darüber wie auch die Rhetorik um das Thema der Flüchtlinge hier eine immer mehr negative Berichterstattung bekommt. Schließlich war diese Initiative durchaus sinnvoll um Menschen an diese Themen heranzutasten, und ich wünschte mir einen größeren Austausch, um über Lösungen zu debattieren. Mohamad Hajjaj, der ebenfalls Landesvorsitzender im Zentralrat der Muslime ist, erklärte, dass dies auch in der Politik Gesprächsthema ist.
In meiner Arbeit mit meinen Kollegen an der New York Universität habe ich zahlreiche Initiativen kennengelernt, wie mit diesem Thema anderweitig umgegangen wird. Ich kann hierbei gerne auf die Arbeit einer Kollegin, Linda G. Mills verweisen mit dem Film ‚Ofmany‘. Ich selbst konnte diese Initiative des ‚Interfaith‘ Konzepts in meiner Arbeit schon tiefgreifend erfahren und sehe eine veränderte Variante dessen als eine bereichernde Grundlage um hierzulande einen positiven Impuls zu starten. 
Ich gratuliere hierbei nochmals allen Organisatoren für ein gelungenes und überaus spannendes Konzept und hoffe es ergibt sich die Möglichkeit mehrerer Formen dieser Veranstaltungen einer breiteren Masse an Menschen zugänglich zu machen.

Bericht zur Filmvorführung von Blue Eyed von Omar Shoukri (Mentor im Wegweiser Programm seit 2019)

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