“Einmischen erwünscht, aber richtig!” – Erfahrungsbericht einer Mentorin bei einer Veranstaltung von Stiftung Bildung

Unsere Mentorin Nicole hat Wegweiser bei einem Workshop von der Stiftung Bildung vertreten und neue Impulse erfahren dürfen für ihre zukünftige Arbeit als Lehrerin. Hier ihr Bericht: Zum Samstag, dem 24. Juni, lud Stiftung Bildung zur viereinhalbstündigen Fortbildung zum Thema Berufsorientierung und gute Elternarbeit in Schulen im schönen Palais am Festungsgraben ein, für mich ein gleich zweifach interessantes Angebot als Wegweiserin und Lehramtsstudierende.
Die Atmosphäre war sehr herzlich und nach einer Begrüßung und theoretischem Input zum Thema ging es dann auch schon mit dem ersten Workshop los. Es stellte sich heraus, dass wir eine Gruppe von Eltern, welche teilweise auch Lehrer*innen waren, Elternvertreterinnen und einer Vertreterin der IHK waren. Ein stellvertretender Schulleiter eines OSZ war auch anwesend und bot mir seine Visitenkarte an – ein besonders wertvoller Kontakt für Wegweiser, da es an seiner Schule auch Klassen für Geflüchtete gibt.
Im ersten Workshop erfuhren wir, wie wir als Lehrer*innen und Eltern, besonders in der Zusammenarbeit, Berufsorientierung in die Schule integrieren können. Die Gruppenleiterin stellte uns viele Ideen vor, von denen mir besonders die Idee im Gedächtnis blieb, dass man Eltern auch in den Unterricht dazu einladen könnte, in einem Expertenvortrag ihre Berufe vorzustellen. Authentische Geschichten von Karrierewegen, welche erst über viele Umwege zum Ziel geführt haben, könnten ebenso interessant für die Heranwachsenden sein wie die Information, dass erfolgreich abgeschlossene Ausbildungen Türen nach oben öffnen und heutzutage oft die Möglichkeit bieten, sich weiterzuentwickeln. Weiterhin stellen Unternehmen, in welchen Eltern arbeiten, potentielle Berufsorientierungsorte für Schulklassen dar.
Nach dem ersten Workshop folgte die Mittagspause beim ansprechenden Snack-Buffet – der Auftakt zum zweiten Teil der Fortbildung, denn der anschließende Workshop war besonders relevant für die Arbeit bei Wegweiser. Er bezog sich auf die Arbeit mit Eltern Geflüchteter bei Entscheidungsprozessen und hinsichtlich des Ausbildungsweges ihrer Kinder. Die Gruppenleiterin gab uns den Schlüssel zu einer Schatzkiste reicher Erfahrungen und Tipps für die Zusammenarbeit mit den Eltern – und das nicht nur mit Lehrer*innen, sondern auch unter Eltern. Von diesen Erkenntnissen möchte ich gerne weitergeben, was ich als besonders wertvoll erachte. Zunächst sammelten wir in der Gruppe via Think-Pair-Share Ideen, wie wir neu in Deutschland angekommene Eltern von geflüchteten Schüler*innen überhaupt erstmal erreichen können. Mögliche Hürden sind dabei nicht nur die Sprache, sondern auch die für die Eltern ungewöhnliche Partizipationskultur in Schulen. Der stellvertretende Schulleiter betonte mehrmals, dass Eltern ein beträchtliches Mitspracherecht in Schulen hätten – ein Recht, welches sicherlich unterschätzt und vermutlich von Einigen gar nicht erkannt wird, inklusive mir, als ich erfuhr, dass sich Eltern nach Anmeldung bei der Schulleitung hinten in den Unterricht hineinsetzen dürften. Doch am anschaulichsten kann man die unterschiedliche Rolle der Eltern in verschiedenen Kulturen wohl damit verdeutlichen, dass die Eltern in Deutschland wahrscheinlich nicht erst von Lehrer*innen oder gar der Schulleitung für ein Treffen eingeladen werden müssen, sondern vielleicht schon vor der Tür stehen, bevor die Schule ein Gespräch überhaupt in Erwägung gezogen hat – wobei dann Eltern-Lehrer*innen-Gespräche in manchen Fällen sogar zur Hinterfragung der Kompetenz der Lehrkraft führen sollen – eine Situation, welche in anderen Ländern unvorstellbar ist. Den Kontakt zu den Eltern herstellen kann man auf verschiedenen Wegen: E-Mail und SMS sind da wohl eher die konventionellen Methoden. In der für uns Außenstehende wohl nur schwerlich vorstellbaren Situation, in der sich Geflüchtete befinden, wäre es aber manchmal auch einfach am besten, sie genau dort abzuholen, wo sie sind, und das sowohl ihre psychische Lage betreffend als auch im wahrsten Sinne des Wortes durch einen persönlichen Hausbesuch, so die Gruppenleiterin. Ein Gesicht mit der Lehrkraft zu verbinden, welche ihr Kind unterrichtet, ist einfach etwas anderes als nur einen fremden Namen zu lesen. Eine weitere Möglichkeit sind Integrationspartner an der Schule. Das erste Treffen mit den Eltern kann dann beispielsweise in Form eines internationalen gemeinsamen Essens stattfinden, welches die Gruppenleiterin sehr empfahl, da es ihrer Erfahrung gemäß auch die Atmosphäre lockere. Nur wichtig für die Vermeidung interkultureller Missverständnisse und der Kippung der Stimmung – und das als wirklich guter Tipp – wäre ein kleiner Katalog für kulturspezifische Verhaltensweisen. Diese könnten auch von den Eltern selbst zusammengestellt werden. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, ein Elterncafé zu gründen, wo man bei einer Tasse Tee in gelockerter Atmosphäre über Dinge sprechen kann.
Dies sind einige der Ideen, die ich für wichtig erachte, und ich bin sehr froh, bei diesem ertragreichen Workshop dabei gewesen zu sein.

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