Ankommen in Deutschland

Als ich nach Deutschland kam, hatte ich mir gedacht, dass ich all die Strapazen und Schwierigkeiten hinter mir gelassen habe und im Himmel angekommen sei. Ich weiß nicht, warum ich so gedacht habe. Vielleicht war das mein Eindruck von Deutschland, dass ich nur aus dem syrischen Fernsehen kannte.

Am 1.9.2015 setze ich das erste Mal einen Fuß auf deutschen Boden. Schnell sollte ich und wollte ich Deutsch lernen und als nächstes mein Studium der Zahnmedizin fortsetzen, das ich in Syrien abbrechen musste. Ich hatte mir also hohe Ziele gesetzt und war optimistisch, dass ich es schaffen kann.

Die erste Woche verlief extrem chaotisch. Ich wurde mehr als zweimal von einer Stadt zu anderen weiter geschoben. Anfang September 2015 war die Zahl der ankommenden Flüchtlinge so hoch wie nie zuvor und die Menschen sollten gleichmäßig verteilt werden.

Am Ende war Berlin die letzte Stadt, wohin ich geschoben wurde. Das entsprach nicht meinem Wunsch – ich war dort hin verwiesen worden, ohne entscheiden zu können.

Eigentlich wollte ich in Hannover bleiben, so hatte ich es mir schon in Syrien mir gewünscht. Aber alles was nun anders – optimistisch war ich jedoch weiterhin.

Auch wenn das Chaos auf dem LaGeSo Gelände mich eines Gegenteils hätte belehren sollen.

Nachdem ich zwei Tage versucht habe rein zu kommen, schaffte ich es meinen Asylantrag zu stellen.

Erste Hürde: geschafft!

Ich blendete alles um mich herum aus: nächstes Ziel war es die Sprache zu lernen. Und dafür brauchte ich keine Ablenkungen und volle Konzentration. Zwei Monate später konnte ich an einem Kurs teilnehmen. Soweit so gut. Alles lief nach Plan, ganz normaler Alltag als Asylbewerber. Allerdings: das Lageso gab mir 500€ für drei Monate. Das hieß sparsam leben, nur das nötigste an Essen kaufen und zwar immer so billig wie möglich, um über die Runden zu kommen.

Der nächste Termin bem Lageso kam, und damit auch fingen die Probleme an. Ohne Geld, hoffte ich rein zu kommen und mich weiterhin über Wasser halten zu können. Woche für Woche jedoch, wurde mein Termin verschoben. Ein Ende war nicht in Sicht.

Ich muss in die Schule gehen und lernen. Mein Ziel ist die Sprache zu lernen, nicht das Lageso.

Aber es war nicht zu ändern. Ich musste einen Termin bekommen, also schlief ich mindestens einmal die Woche auf der Straße vor dem Lageso, um endlich dran zu kommen. Ohne Erfolg.

Nach 7 Terminen, die vom Lageso verschoben wurden, konnte ich rein.

Aber wo waren meine Unterlagen? Verloren im Chaos der Behörde. Registriert sei ich auch nicht.

Ein Schritt vorwärts, zehn wieder zurück.

Trotz der Enttäuschung, gab es keine Alternative. Weiter machen, neu registrieren und wieder Asylantrag stellen. Ich dachte, sie verarschen mich, aber das war der volle Ernst.

Eine Woche vor meiner B1 Prüfung war mein nächster Termin beim Lageso. Ich war Traurig und frustriert, weil mein Termin wieder verschoben wurde. Also wieder auf der Straße schlafen vor dem Lageso.

Ein Schritt vorwärts, zehn wieder zurück.

Der nächste Termin beim Lageso brachte eine weitere Überraschung mit sich. Die Mitarbeiterin erklärte mir, dass ich aus dem Hotel, in dem ich wohnte, ausziehen musste. In eine Sporthalle sollte ich umziehen. Es hieß das Wohnheim sei nur für Deutsche und nicht für Flüchtlinge. Ich werde nie vergessen, was ein Deutscher mir dort sagte: „Hau ab, du bist schmutzig!“

Mein neues Wohnheim war so weit weg und nicht ganz sauber, aber es blieb mir nichts übrig. Die nächste Prüfung stand an und ich wollte mich darauf konzentrieren. Mein Ziel nicht vor Augen verlieren.

Ein Schritt vorwärts, zehn wieder zurück.

Ich versuchte Unterstützung zu bekommen von der Mitarbeiterin im Wohnheim und erzählte ihr meine Situation. Ich kann sie nicht vergessen, ihren Namen und die Art, wie sie mit mir sprach, so überheblich. Sie wollte nicht zuhören. Sie wollte nicht helfen.

Diese Zeit war extrem belastend, ich war allein, konnte meine Sorgen mit niemandem teilen. Meine Familie in Syrien? Alles Gut, alhamdulillah. Macht euch keine Sorgen um mich. (mafe muschkeih)

Vielleicht sollte ich zurück nach Syrien? Vielleicht bin ich doch zu Hause besser dran? Wo ist der Unterschied? Hier sterbe ich eines langsameren Todes.
Ein Freund nahm mich auf. Ich konnte bei ihm schlafen und wieder Kraft tanken. Meine negativen Gedanken bei Seite räumen und weiter machen.

Ein Schritt vor vorwärts, zehn zurück.

Der Chef des Wohnheimes rief mich an, er klärte die Situation. Ich konnte wieder zurück ins Wohnheim und einen Raum belegen und dort mich endlich auf meine bevorstehende Prüfung konzentrieren. Obwohl mich die Deutschen dort mehrmals beleidigt haben, war ich froh wieder in der Unterkunft zu sein. Einen festen Ort zu haben.

Nun stand mein Termin beim BAMF an. Ich hatte zwei Möglichkeiten. Entweder Schutzstatus von dem Land bekommen und das gilt als schneller Prozess, oder Asylstatus gilt als langsamer Prozess.

Meine Nerven waren blank, ich wollte nicht länger warten. Vom Lageso hatte ich genug, beim Jobcenter sollte es besser werden, also bitte schnell, yallah, gebt mir einen Status, damit ich weiter komme. Vielleicht werde ich dort mehr als Mensch und weniger wie ein Tier behandelt, so meine Vorstellung. Obwohl ich in Syrien verfolgt und diskriminiert wurde und mir eine Anerkennung als Flüchtling zu stand, war ich zufrieden damit als Schutzbedürftiger zu gelten.

Bis heute habe ich keinen Aufenthaltstitel bei mir. Die Ausländerbehörde ist ähnlich chaotisch wie das Lageso.

Ein Schritt vorwärts und zehn zurück….

Aber immer weiter vorwärts. Ich bin auf dem richtigen Weg und ich bleibe dabei, lerne Deutsch und mit vieeeel Geduld…..werde ich es schaffen.

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