Der Mate und meine syrischen Freunde. Ein Getränk zwei Kulturen – eine Stadt.

Julian – Mentor seit Februar 2016

Mein Name ist Julian. Ich bin 25 Jahre alt und komme aus Argentinien und hab mich im Februar 2016, dazu entschieden Mentor bei Wegweiser zu werden. Mit meinem Freund Marlon hatten wir die Idee zusammen mit den Geflüchteten aus unserem Bezirk Sport zu treiben. Wir besuchten die Geflüchteten der Notunterkunft in Wilmersdorf und haben nachgefragt, ob sie nicht Interesse hätten mit uns Sport zu machen. Von Anfang an gab es große Nachfrage, obwohl wir keinen Fußball anbieten wollten. Beim Sport habe ich mich auch mit meinen zwei Mentees angefreundet. Sie sind zwei Brüder aus Syrien. Wir verstehen uns so gut, dass sie mich mit Habibi grüßen (zu Deutsch: umgangssprachlich Kumpel, Bruder).

An einem Tag im Juli sind wir mit den Teilnehmern des ICW‘s (Intercultural Workout) zum Reichstag gegangen, weil wir keine sportlichen Aktivitäten anbieten konnten. Viele unserer Teilnehmer haben gefastet, denn wir befanden uns im Monat Ramadan. Aus diesem Grund hatten wir uns entschieden, in dieser Zeit gemeinsam Berlin zu erkunden. Es war ein lustiger Nachmittag mit allen, wir haben uns informiert über die Geschichte des Reichstages und der Umgebung. Zudem hatten wir viele nette Unterhaltungen miteinander und die schöne Ausschicht konnten wir auch genießen, da man von der Reichstagskuppel einen wunderbaren Blick auf Berlin hat. Die Reichstagskuppel lud zum Tanzen ein. Einige Mentoren haben ihre Salsa Schritte zum Besten gegeben und die Mentees haben ihre traditionellen Tänze vorgeführt. Wir hatten ziemlichen Spaß und zogen alle Blicke auf uns. Von dort aus sind wir gemeinsam zu der Notunterkunft in der Forbenbeckstraße der Geflüchteten gefahren und haben dort gemeinsam zu Abend gegessen. Die Mentees haben darauf bestanden, dass wir mitkommen und haben uns verboten etwas mitzubringen. Bei Hühnchen und Brot haben wir gemeinsam eine schöne Sommernacht verbracht, bei viel Gelächter und witzigen Geschichten. Wir haben unsere Musik gespielt und wollten unsere Mentees dafür begeistern. Sie mochten unsere lateinamerikanische Musik aber noch mehr deren Rhythmen. Mir selbst hat die arabische Musik sehr gefallen, vor allem die Stimmen der Sängerinnen waren sehr schön.

Es war eine herzhafte und schöne Runde. Wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten, mit Brocken aus Deutsch und Englisch. Trotzdem waren alle Gespräche sehr interessant und ergreifend. Bis in den Morgen haben wir mit den Mentees Zeit verbracht und gelacht. Ich hätte Anfangs nicht gedacht, dass wir trotz der Kommunikationsschwierigkeiten so viel Spaß gemeinsam haben können. Als wir mit dem Essen fertig waren, wurde der Tee serviert. Verwundert – fast fassungslos und irritiert – sah ich zu, wie sie mir mein Heimatgetränk, den Matetee reichten. Ich wusste nicht, dass in Syrien der Mate auch bekannt ist. Schon hatten wir eine wichtige Gemeinsamkeit gefunden. Seit dem Tag treffen und trinken wir regelmäßig mit den Geflüchteten der Notunterkunft mein geliebtes Getränk aus meiner Heimat Argentinien.

Das Getränk steht für mich für Familie und Freundschaft, wir geben das jedem Gast bei uns zuhause zu trinken. Nach jedem „Hallo“ wird das Getränk angeboten. Den Mate trinkt man gemeinsam aus demselben Gefäß meist aus getrockneten Kürbis, Glas oder Holz. Diese Gefäß, welches gefüllt ist mit Kräutern, füllt man immer wieder mit heißem Wasser auf und reicht diesen von Person zu Person weiter und trinkt somit aus dem gleichen metallenen Strohhalm. So haben mir die Begegnung mit geflüchteten Menschen mir am Ende ein Stück Heimat gegeben, und mir bewusst gemacht, dass wir mehr Gemeinsamkeiten haben, als wir uns überhaupt vorstellen können. Ich wünschte mir, mehr Menschen in Deutschland könnten durch direkte Kontakte ihre Vorurteile abbauen und neue Freunde kennen lernen.

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