Mentor sein: Eine Frage der Geduld und des Durchhaltevermögens

Nura – Mentorin seit April 2016
Seit April 2016 nehme ich an dem ehrenamtlichen Projekt „Wegweiser – Mentor_innen für Flüchtlinge“ teil, welches u.a. unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen dabei helfen soll, in Berlin anzukommen und ihre Stadt kennenzulernen. Es geht darum, ihnen eine Freundschaft auf Augenhöhe anzubieten. Ich war von Anfang an total motiviert und sehr begeistert von diesem Projekt. Als ich dann endlich meinen Mentee kennenlernen durfte, wurde ich plötzlich unsicher. Worüber soll ich mit ihm sprechen und vor allem wie? Wir konnten uns kaum unterhalten, und hinzukam, dass er zu Beginn noch sehr schüchtern war. Um unangenehme Schweigesituationen zu umgehen, fand unsere erste Verabredung zusammen mit einem anderen Mentorenpaar statt. Zu viert machten wir uns dann auf den Weg zur Friedrichstr. und sahen uns dort gemeinsam die Ausstellungen der Autohäuser an. Obwohl sich die Kommunikation mit ihm als schwierig erwies, war es dennoch ein sehr schöner Tag gewesen.

Ich habe gemerkt, dass er sich sehr bemühte, aber es half nur wenig. Ständig holten wir unsere Handys heraus, um mit dem Google-Übersetzer ein paar Worte auszutauschen. Wir sahen uns danach häufig auf verschiedenen Veranstaltungen, die von Wegweiser organisiert wurden. Mit der Zeit machte sich Frustration in 27 mir breit. Ich hatte das Gefühl, dass wir irgendwie keine richtige freundschaftliche Beziehung zueinander aufbauen konnten. Unsere Treffen fanden vielmehr aus Höflichkeit statt. Allerdings fiel mir auf, dass sein Deutsch von Mal zu Mal besser wurde. Einmal trafen wir uns kurz vor den Sommerferien in einer Bibliothek, um gemeinsam Deutsch zu lernen. Das hat richtig Spaß gemacht und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass wir vorankommen. Er versuchte mir ein paar persische Vokabeln beizubringen und hat sich dabei sehr über meine Aussprache
amüsiert. Endlich waren wir aufgetaut und er begann mir viel über Afghanistan und seine Familie zu erzählen. Zum Ende hin hat er mich dann gefragt, ob ich ihm dabei helfen könnte, einen Bibliotheksausweis zu erstellen, damit er dort Bücher zum Deutsch lernen ausleihen kann. Seither wurde sein Deutsch besser und besser und mittlerweile können wir uns richtig gut unterhalten.

Gestern trafen wir uns zu einem kleinen Spaziergang im Treptower Park, bei welchem wir viel miteinander geredet haben. Es gefällt ihm sehr in Berlin zu leben, allerdings vermisst er seine Eltern, zu denen er kaum noch Kontakt hat, da sie weder Telefonnoch Internetzugang besitzen. Er hat mir von seinem treuen Hund erzählt, der ihm nie von der Seite gewichen ist und sogar ein paar kleine Kunststücke beherrscht. Darüber hinaus erzählte er mir, dass alle seine Freunde viel schneller Deutsch lernen als er. Er sagte, dass es ihm sehr schwer fällt, obwohl er sich solche Mühe gibt. Ich habe ihm gesagt, dass er sich auf einem guten Weg befindet und sich nicht entmutigen lassen soll. Ich glaube, dass ich ihn damit ein wenig aufmuntern konnte, denn daraufhin hat er darauf bestanden mit mir ein Spiel zu spielen. Bei dem Spiel ging es darum uns gegenseitig die Vokabeln der Gegenstände abzufragen, die wir auf unserem Weg durch den Park erblickten – sowohl auf Deutsch als auch auf Persisch. Er konnte sich die neuen Vokabeln sehr gut merken, ganz im Gegensatz zu mir. Ich habe großen Respekt vor seiner Willenskraft. Trotz vieler Rückschläge, stetig lernt er stetig weiter und verliert seine Ziele nicht aus den Augen.

 

Ich bin sehr stolz auf ihn!

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